Das Interview
Selina Pöhlmann und Maximilian Christ über ihren Alltag als Bestatter mit viel Abwechslung und professioneller Begleitung von Angehörigen.
Transkription des Interviews
Moderator: So, jetzt natürlich noch mal die Frage an euch: Könntet ihr euch vorstellen, jeden Tag zur Arbeit zu gehen und dort mit Menschen zu arbeiten, die gestorben sind? Immer mehr junge Menschen beantworten diese Frage mit Ja. Wir haben ja überall Fachkräftemangel, aber gerade bei den Bestattern, da da läuft’s, da brummt’s. Deutschlandweit machen etwa 1000 Menschen aktuell die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. So viele wie noch nie. Was treibt so viele junge Menschen in diesen Beruf und was macht ein Bestatter eigentlich außer Menschen unter die Erde zu bringen? Joshua Tsakmakides schaut sich das jetzt noch mal genauer an.
Reporter (Joshua Tsakmakides): Er ist Bayerns bester Bestatter seines Jahrgangs, sie ist die jüngste Bestatterin, die ich je gesehen habe. Und die beiden nehmen uns jetzt mal mit hinter die Kulissen ihres außergewöhnlichen Berufs.
Selina Pöhlmann: Hallo, ich bin die Selina Pöhlmann, bin 18 Jahre alt und lerne im Moment den Beruf Bestattungsfachkraft.
Maximilian Christ: Hallo, ich bin der Maximilian Christ, ich bin 25 Jahre alt und bin gelernte Bestattungsfachkraft und Thanatopraktiker.
Reporter (Joshua Tsakmakides): Eins habe ich sofort gelernt: Dieser Beruf ist so viel mehr als ein Bürojob.
Selina Pöhlmann: Weil dieser Beruf eine gewisse Abwechslung hat. Also, du machst verschiedene Aufgaben und das ist gerade das, was ich gut finde.
Maximilian Christ: Das heißt, das Überführen der Verstorbenen, das Waschen, das Ankleiden der Verstorbenen, das Einbetten. Und dann haben wir aber natürlich auch noch die Arbeit mit den Hinterbliebenen. Die Menschen, die zu uns kommen in, ja, wohl eine der einschneidendsten und schwierigsten Situationen in ihrem Leben. Und da kommen wir eben ins Spiel und beraten, welche Optionen sie haben, welche Bestattungsform sie wählen können und unterstützen auch bei der Bürokratie, die in so einem Sterbefall eintritt.
Reporter (Joshua Tsakmakides): Diese emotionale Ausnahmesituation jeden Tag. Das stelle ich mir schon heftig vor. Nimmt man das auch mal mit heim?
Selina Pöhlmann: Du darfst es halt nicht zu nah an dich ranlassen. Also du kannst verstehen, du kannst die Leute verstehen, aber du musst es am Ende des Arbeitstags wieder vergessen können.
Maximilian Christ: Es wäre falsch zu sagen, dass wir es nie mit nach Hause nehmen. Natürlich gibt es Situationen oder Fälle, die einen auch über die Arbeitszeit hinaus beschäftigen und die man wohl immer so ein bisschen für sich mit rumtragen wird. Aber wir sind in dem Moment Unterstützer für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen, und da muss man einfach, denke ich, eine professionelle und gesunde Distanz halten.
Reporter (Joshua Tsakmakides): Und klar, Trauer ist die vorherrschende Emotion. Es gibt aber auch die anderen, die hellen Momente.
Maximilian Christ: Es gab schon viele Trauerfeiern, auf denen dann tatsächlich die ganze Trauergemeinde so zusammen gelacht hat, weil einfach noch mal so ein bisschen ein kleiner Lebenslauf erzählt wurde mit besonderen Erlebnissen. Ja, der Beruf ist emotional, sehr emotional, aber das heißt nicht immer, dass es negativ ist. Und ich denke, wenn man den ganzen Tag mit dem Tod und den damit verbundenen Emotionen konfrontiert ist, dann würde ich behaupten, leben wir manchmal etwas bewusster, als es vielleicht der ein oder andere tut.
Reporter (Joshua Tsakmakides): Selina ist ja noch mitten in der Ausbildung, aber auch sie hat schon einige von diesen besonderen Begegnungen erlebt.
Selina Pöhlmann: Dass wirklich die Menschen zu dir hinkommen und wirklich sagen: Ja, du hast es gut gemacht. Obwohl es jetzt so ein trauriger Moment ist, aber es war richtig schön. Und da merkt man halt natürlich, dass man den Angehörigen da was recht macht, dass man den Tag vielleicht auch ein bisschen verschönert, auch wenn es ein trauriger Moment ist.
Reporter (Joshua Tsakmakides): Und um die Frage zu beantworten: Genau das sind diese Momente, wegen denen Selina und viele andere junge Menschen diesen Beruf so gerne machen.
Moderator: Dankeschön Joshua Tsakmakides. Danke an Selina und Maximilian.

